Schule bedeutet Zukunf

Dr.
Susanne Brandsteidl ist seit Mai 2001 amtsführende Präsidentin
des Stadtschulrates für Wien. Die promovierte Sprachwissenschafterin
hat ihre ersten Erfahrungen im Schulwesen im Jahr 1986 als Lehrerin
für Deutsch und Geschichte am BRG 21 in Wien gesammelt.
In
einem Gespräch mit ÖBVaktiv erläutert sie die Schwerpunkte
ihrer Arbeit.
Der Chefin des Wiener Schulwesens unterstehen 670 Schulen mit 220.000 Kindern in den verschiedensten Schultypen sowie 23.000 Lehrer und Schulbedienstete. Die Verwaltung und Leitung des Schulwesens ist österreichweit äußerst vielfältig gestaltet, vieles ist historisch gewachsen, vor allem die diffizile Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. Der Stadtschulrat für Wien gehört zum Bereich der mittelbaren Bundesverwaltung. Dennoch gibt es einige Gestaltungsspielräume, die Dr. Brandsteidl, wie die letzten Jahre bewiesen, ausgezeichnet zu nutzen verstand. Dies entspricht auch der Tradition des Wiener Schulwesens, das seit Otto Glöckel in den 20er Jahren für seine Reformfreudigkeit und seinen Ideenreichtum bekannt ist.
ÖBVaktiv: Seit Beginn Ihrer Amtszeit verfolgen Sie einige
innovative Projekte mit großer Vehemenz …
Brandsteidl: Ein wichtiges Ziel ist für mich die Forcierung
der Ganztagsschule. Wir müssen dem gesellschaftlichen Wandel
ins Auge sehen, und außerdem geht es um Chancengleichheit.
Nachmittagsbetreuung darf sich nicht auf das „Bewachen“ der
Schülerinnen und Schüler beschränken. Hier in Wien
haben wir an einigen Schulen große Erfolge, die Akzeptanz
durch die Eltern ist ausgezeichnet. Ich bin sicher, dass sich der
Trend – jenseits der bildungspolitischen Scheuklappen – auch österreichweit
fortsetzen wird. Chancengleichheit betrifft auch die Schüler,
weshalb in einem Dutzend Modellversuchen das Projekt der kooperativen
Mittelschule abgetestet wird.
ÖBVaktiv: Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des europäischen
Erweiterungsprozesses setzen Sie sich auch für die Etablierung
des bilingualen Schulwesens ein.
Brandsteidl: Ja, gerade mit den jüngeren Erweiterungsstaaten
sind Austauschprogramme im Laufen, die die Grenzen in den Köpfen
verschwinden lassen sollen. Der kulturelle Reichtum Europas kann
jetzt endlich von Jugend an erfahren werden. Das wollen wir in
den bilingualen Schulen fördern, es geht um die Europäer
der Zukunft und es geht um bessere Chancen im Berufsleben durch
einen weiteren kulturellen Horizont. Eine wichtige Voraussetzung
ist hier natürlich die Internationalisierung der Schulabschlüsse,
ein Projekt, für das ich mich besonders einsetze.
Anlässlich der österreichischen EU-Präsidentschaft
wurden zahlreiche Schulprojekte ins Leben gerufen, die – das möchte
ich besonders betonen – von Lehrern und Schülern mit großem
Engagement umgesetzt werden.
ÖBVaktiv: Der Stadtschulrat für Wien in der Wipplingerstraße
ist aber nicht nur ein Verwaltungsgebäude?
Brandsteidl: Dieses Haus ist keine Tintenburg, sondern offen für
alle, seien es Schüler, Eltern oder Lehrer, der schulpsychologische
Beratungsdienst oder die jüngst eingerichtete Schulombudsstelle,
aber auch die Schülerbeihilfenstelle und das Personalmanagement
sind hier zu Hause. Verwaltung muss transparent sein und menschennah,
besonders wenn es um Schule geht, denn Schule bedeutet Zukunft.
ÖBVaktiv: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

